Paulownia – Blauglockenbaum, für Deutschland und Österreich ein neuer Wunderbaum?

Paulownia Blauglockenbaum – Fakten und Mythen

Paulownia Blauglockenbaum in Deutschland und Österreich pflanzen – hat das Sinn? Wo kommt der Baum her und wächst er überhaupt bei uns? Was sind die beliebtesten Fakten und Mythen zum Paulownia Blauglockenbaum? Diese uns andere versuchen wir im folgenden Artikel zu klären.

Der Blauglockenbaum (botanisch Paulownia) ist derzeit in aller Munde. Auch bei uns laufen die Telefone heiß und quellen die Mails über zum Kiribaum, wie er auch genannt wird. Doch wachsen diese Blauglockenbäume, so wie oft vor allem im Internet gepriesen, tatsächlich in den Himmel oder müssen wir auch hier die vielfältigen natürlichen Bedingungen in den unterschiedlichen Regionen beachten und uns bei der Aufzucht dieser schnellwüchsigen Blauglockenbäume genau drauf einstellen? Doch alles der Reihe nach…

Blauglockenbaum/Paulownia: Geschichte und Verwendung

Paulownia bluehend als Parkbaum in Linz, Oberoesterreich

Paulownia tomentosa, Blauglockenbaum als Parkbaum in Linz, Oberoesterreich

Der ursprünglich aus Ost- bzw. Südostasien stammende, schnellwüchsige Blauglockenbaum fand in den letzten Jahren über Südeuropa auch den Weg nach Deutschland und Österreich. Mit der Verwendung als Parkbaum, für größere Gärten und auch öffentliches Grün (z.B. Linz, Österreich, an der Promenade) wurde Paulownia  in kleinen Stückzahlen auch schon vor Jahrzehnten gepflanzt. Beliebt wegen der wunderschönen, blauen Blütentrauben, die dem Blauglockenbaum den Namen gaben und dem nicht überbordenden Wuchs (ca. 12-15 Meter).

Verbreitete Arten im Park- und Großgärtenbereich sind hier:

•    Paulownia tomentosa
•    Paulownia elongata
•    Palownia fortunei
•    und Zierforme bzw. Züchtungen dieser Arten

Paulownia in Deutschland und Österreich als Plantagenbaum – ist das überhaupt möglich?

Zu einer Renaissance des Blauglockenbaums in Deutschland und Österreich kam es nun in den letzten fünf bis zehn Jahren, aber weniger wegen seines hohen Zierwertes, sondern vor allem wegen seines gefragten Holzes. Plantagenholz hat ja an sich nicht den besten Ruf und ist in Mitteleuropa aus verschiedenen Gründen auch kaum verbreitet. Von Südeuropa aus „wanderten“  Paulownia-Pflanzungen aber in den letzten Jahrzehnen auch zu uns ein und scheinen hier auch an Ihre natürliche Grenzen zu stoßen. Die Hauptsorte ist hier sicherlich Paulownia Shandong. Klassische Plantagen, wenn auch meistens nicht so bezeichnet, wurden hierzulande eher mit Pappeln, Weiden und Robinien in sogenannten Energiewäldern bzw. im Kurzumtrieb (KUP) ausgepflanzt. Eine um vieles großere Monokultur stellt aber etwa die Fichte dar, die nach wie vor in rauen Mengen gepflanzt wird, ungeachtet von Höhenlage und Klimaerwärmung. Aber das nur nebenbei.

Blauglockenbaum aufgestabt in der Baumschule

Paulownia in der Baumschule (P. tomentosa)

Paulownia in Europa

Die erwähnte „Wanderbewegung“ führte über Griechenland, der Türkei nach Bulgarien, Rumänien. Parallel dazu wurden die ersten größeren Pflanzungen auch in den südwestlichen, mediterran geprägten Europäischen Ländern realisiert. Paulownia-Pflanzungen in Portugal, Spanien, Italien sind hier in erster Linie zu nennen.

Zu den ersten Paulownia-Pflanzungen in Deutschland zählt dem Vernehmen nach eine Pflanzung am Bodensee in Baden Württemberg. Auch unsere erste Lieferung mit Blauglockenbäumen (Paulownia tomentosa) ging ins Schwäbische, bereits im Jahr 2009. Zu dieser Zeit interessierten sich noch kaum Kunden für den schnellwüchsigen Baum und erste Herausforderungen (vor allem Jugendfrost) tauchten auf. Erste bekannte Pflanzungen mit dem Kiribaum Österreichs findet man in den milden Klimaten des Burgendlands. Diese Anlagen bestehen heute noch und haben sich inzwischen zu ansprechenden Paulownia-Plantagen entwickelt.

Paulownia in Deutschland und Österreich – funktioniert das überhaupt?

Die eindeutige Antwort aus unserer Sicht darauf lautet JEIN! Man könnte auch sagen „kommt darauf an“. Damit sind wir auch schon bei den „Fakten und Mythen“ um die Paulownia/den Blauglockenbaum.
Dass Bäume, egal welcher Art, nicht in den Himmel wachsen, sollte ja allgemein bekannt sein. Komischerweise meinen manche „Experten“, dass das eigenartigerweise gerade für den Paulwonia-Baum nicht gilt…

Unglaubliche Fakten zum Paulownia-Blauglockenbaum

Kiribaum nach Komplettrückschnitt über 3 Meter ausgetrieben

Unglaublich: Paulownia Blauglockenbaum dreijaehrig in Oesterreich nach Rueckschnitt

•    Paulownia wächst auch in mittleren Höhen (wir liegen auf knapp 600 Meter Seehöhe) wahnsinnig stark und vor allem so dick im Durchmesser, wie kaum ein anderer Baum
•    Paulownia bildet in der Jugendphase Blätter mit 50-70 cm Durchmesser
•    Ein zweijähriger Blauglockenbaum bildet in drei Monaten nach komplettem Rückschnitt des Stammes und der Wurzel bis zu ein Meter lange Wurzeln und einen bis zu drei Meter langen Stamm
•    Paulownia kann im Großtopf (50-80 cm Durchmesser) bereits nach drei Jahren Blüten ansetzen, ausgepflanzt etwa ab dem siebten Jahr. Vor allem wenn nicht so sehr auf die Stammbildung geachtet wird und der Baum sich früh verzweigen kann (im Wertholzbereich nicht erwünscht!)
•     Ein dreijähriger Paulownia-Wurzelstock kann nach komplettem Rückschnitt des oberirdischen Teils drei bis fünf Meter in nur einem Sommer austreiben und 6-10 cm Stammdurchmesser erreichen!
•    Paulownia-Jungpflanzen sind im Vergleich zu anderen Forst- und Plantatenbäumen relativ teuer und bedürfen besonderer Pflege, wenn damit Wertholz produziert werden soll.
•    Die Blauglockenbaum-Jungpflanze ist als Energieholz oder Kurzumtriebs-Holz tendenziell zu teuer und nicht konkurrenzfähig mit Pappeln, Weiden und Robinien, die sonst in Deutschland und Österreich zu diesem Zweck gepflanzt werden.

Unglaubliche Mythen zum Paulownia-Blauglockenbaum

•    Man pflanzt Paulownia-Jungpflanzen im Klein- oder Presstopf (6-10 cm Durchmesser) oder gar als Wurzelschnittling und kann nach drei Jahren  0,3 m³ Energie- oder Wertholz vom Blauglockenbaum pro Blauglockenbaum ernten.
•    Paulownia als Jungpflanze in den Wald oder auf das Feld gepflanzt benötigt kaum Pflege und wächst quasi von selbst bis zu 12 Meter auf. Vermutlich der größte Mythus zum Paulownia-Blauglockenbaum
•    Der Paulowniabaum friert nur in kühlen Lagen oder Höhenlagen zurück.
•    Kiribäume haben derzeit keine natürlichen Schädlinge und Krankheiten in Deutschland und Österreich
•    Nach nur wenigen Jahren Kulturzeit – die Angaben schwanken je nach (weniger seriöser) Quelle von 3 bis 10 Jahren – kann man hochwertiges und auch –preisiges Blauglockenbaum-Edelholz ernten und teuer verkaufen (man redet von 600 €/m³).
•    Diversen Kalkulationen zufolge wird man in der angeführten Zeit verhältnismäßig schnell reich.
•    Diese Liste ist sicherlich nicht vollständig und die Phantasie mancher „Experten“ ist hier scheinbar nicht enden wollend.

breitet sich Paulownia Blauglockenbaum aus

Paulownia wächst aus Kanalgitter: ein Anzeichen seiner teils ungewollten Ausbreitung

Fazit zum Paulownia Blauglockenbaum in Deutschland und Österreich

Uns ist es vielleicht ähnlich gegangen wie manchem Kunden bzw. Interessenten: Vor acht Jahren haben wir die ersten Kiribäume gekauft, waren aber aufgrund der starken Frostschäden im ersten Jahr erstmal frustiert. Nach etwa zwei Jahren Pause ließ uns der Baum aber nicht los und wir starteten neue Versuche. Mit Pflanzgut aus Griechenland, Bulgarien und Rumänien. Sehr teuer und qualitätiv zumindest sehr “unterschiedlich”. Dann versuchten wir in Deutschland zuzukaufen bei den ersten Anbietern dort – leider auch Fehlanzeige. Die bestellten Pflanzen wurden nie geliefert. Seit ein paar Jahren haben wir aber nun verlässliche Baumschulen, entsprechendes Know-how und glücklicherweise auch fallende Pflanzenpreise.

Mit einem Ahorn oder einer Fichte wird der Blauglockenbaum nie zu vergleichen sein. Der Preis ist höher, aber vor allem auch der Pflegeaufwand. Einmal pflanzen und irgendwann ernten ist einfach nicht bei diesem Baum. Mit dem aufgebauten Know-How und einer offenen-ehrlichen Kommunikation dem Kunden gegenüber – Vor- UND Nachteile “getrauen” wir uns nun aber schon seit ein paar Jahren den Blauglockenbaum zu verkaufen und machen insgesamt recht positive Erfahrungen.

Unsere Empfehlung: Probieren Sie den Blauglockenbaum in kleinen bis mittleren Stückzahlen (z.B. 20-100 Stk) auf geeigneten Teilflächen aus. Lernen Sie mit dem Baum umzugehen und schauen Sie, wie er mit dem Standort, Unkraut und Frost im Winter in Ihrer Lage zurrechtkommt. Verlaufen die Tests vielversprechend, dann freuen wir uns natürlich auch, wenn Sie wieder auf uns zurückkommen!

Reinhard Sperr, www.energiepflanzen.com im Mai 2017

Wenn Sie den Paulownia Blauglockenbaum pflanzen möchten, dann können Sie die hier mit günstigen Versandsspesen für Deutschland und Österreich bestellen! :-)

Hier ein weiterer interessanter Artikel aus 2015 zum Thema Paulownia Blauglockenbaum von unserem Deutschen Mitarbeiter Max Voith

Unsere “allgemeine” Paulownia-Seite finden Sie unter diesem Link.

Kiribaum, Paulownie, Blauglockenbaum

Zweijähriger Paulownia Blauglockenbaum mit Kind


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