Sida

Sida east, Sida hermaphrodita (L.) Rusby oder Virginia mallow, wie dieses Malvengewächs auch noch genannt wird, stammt ursprünglich aus Nordamerika und zählt botanisch zu den Stauden. Das heißt die Pflanze treibt, ähnlich wie Miscanthus, im April/Mai aus dem Boden aus, erreicht eine Endhöhe von ca. 3 bis 4 Metern im Hochsommer und stirbt dann im Herbst oberirdisch wieder ab. Dabei trocknet die Pflanze komplett ab und verfärbt sich braun. Die Nährstoffe werden dabei wieder in die Wurzeln zurückgeschickt und dort bis zum nächsten Austrieb im eingelagert.

Virginia mallow, Sida hermaphrodita (L.) Rusby

Sida hermaphrodita (L.) Rusby

Der Wurzelstock besteht aus vielen fleischig verdickten Einzelwurzeln an der Basis und feineren Haarwurzeln. Durch die Fähigkeit auch in tiefere Bodenschichten vorzudringen ist Sida im Vergleich zu den anderen Extensiven Energiepflanzen auch auf relativ trockenen Standorten (auch unter 500-600 mm Jahresniederschlag) noch attraktiv. Höchstens die Robinie bei den Energiehölzern gedeiht unter solchen Voraussetzungen noch.

Die Vermehrung der Sidapflanze erfolgt in aller Regel durch Samen. Eine Vermehrung durch Teilung ist ev. im kleinen Bereich zusätzlich interessant, im größeren Stil sind Wurzelschnittlinge, ähnlich wie bei Miscanthus eine Möglichkeit. Die großflächige Aussaat, wie sie auch dann und wann propagiert wird ist aufgrund der sehr unterschiedlichen Keimungsergebnisse aus unserer derzeitigen Sicht weniger empfehlenswert. Auch der starke Unkrautdruck, schwierige chemische Behandelbarkeit und Konkurrenzschwäche in der Anwuchsphase (1. Jahr) sprechen für die Auspflanzung von kräftigeren bewurzelten Pflanzen (=Sämlinge).

Die Pflanzung der vorgezogenen Sidapflanzen erfolgt April bis Mai mit gewöhnlichen Pflanzmaschinen im Abstand von 0,75 x 0,75 bis 0,9 x 0,9 Meter. Eine dichtere Pflanzung hat den Vorteil des schnelleren Bodenschlusses und somit die Unterdrückung von Unkraut sowie der verminderten Austrocknung. Die Pflanzung von Wurzelschnittlingen sollte in einer größeren Stückzahl erfolgen (ca. 40.000 Stk/ha), Pflanztechnik wie bei Miscanthus-Rhizomen z.B. mit Kartoffelpflanzmaschinen.

Sida east Basis

Die Ertragserwartungen gehen in den unterschiedlichen Expertenmeinungen teils stark auseinander. Uns erscheint in der Praxis ein Trockenmassertrag von etwa 8 – 20 Tonnen pro Hektar und Jahr realistisch. Das ist bei trockenen Standorten ein hervorragender Wert, muss aber in der Praxis noch an unterschiedlichen Standorten in der nächsten Zukunft noch genauer erprobt werden.

Ein weiterer Pluspunkt von Sida im Vergleich zu den anderen Extensiven Energiepflanzen stellt die Verwertung des Erntematerials da. Das Hackgut, dass ebenso wie Miscanthus mit einem reihenlosen Maishächsler geerntet und gleich gehächselt werden kann, enthält keine Inhaltsstoffe, die für Heizkesseln eine Gefahr dastellt. Lediglich das niedriege Schüttgewicht (noch niedriger als bei Miscanthus) erfordert eine großräumige Lagermöglichkeit. Alternativ kann das Material aber auch zu Pellets und Bricketts verpresst werden. Die Ernte erfolgt normalerweise im späten Winter vor dem neuen Austrieb, da hier der Wassergehalt auf teilweise sogar unter 10% sinkt und anschließend sehr gut lagerfähig ist.

Fazit: Die Sidapflanze birgt einerseits durch die Eigung für trockenere Standorte, andererseits durch die verhältnismässig einfache Ernte und Verwertung aus unserer Sicht ein enormes Potential und stellt nicht zuletzt aus Gründen der Diversifizierung bei den Extensiven Energiepflanzen  (Stichwort Monokulturen) eine weitere interessante Option für die Zukunft dar.

Links: Hier ein kleiner Bericht zu einer Sida-Probepflanzung in Griechenland

Sida hermaphrodita im Winter

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Reinhard Sperr, www.energiepflanzen.com im Februar 2013